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Von der Wabe ins Luxushotel Design rund um den Honig

Der Imker Simon Tötschinger entwickelt und designt alles rund um seinen Honig selbst (und mit seiner Freundin). Auf seine Konstruktionen setzen Nobelhotels wie das Bristol und das Sans Souci.

Am Anfang stand der Wunsch nach Selbstständigkeit, der den damals 20-jährigen Werkzeugmacher aus dem nordburgenländischen Jois nicht loslassen wollte. Da die ursprünglichen Ideen der Büffelzucht und einer eigenen Modekollektion zu hohes Startkapital erfordert hätten, erwähnte sein Vater beim Abendessen eher beiläufig, er solle doch etwas mit Honig machen.

Die Idee gefiel Simon Tötschinger so gut, dass er 2007 mit seinen ersten zwei Bienenstöcken startete und von Beginn an der optischen Gestaltung der Honigprodukte sein besonders Augenmerk schenkte. „Ich habe das als gute Mischung meiner zwei Ideen gesehen, denn beim Produkt Honig konnte ich den Gedanken der Tierzucht und meine Kreativität von Anfang an einbringen“, erinnert sich der 28-Jährige. Auch wenn er den Ausdruck Designerhonig heute gar nicht mehr gern hört, hat für Tötschinger von Anfang an die optische Gestaltung im Vertrieb seines Honigs neben der schonenden Herstellung die Hauptrolle gespielt.
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Nach knapp zwei Jahren nebenberuflicher Imkerei kündigte er seinen fixen Werkzeugmacherjob in Wien und investierte ein halbes Jahr in Entwicklung und Design seiner Corporate Identity. Beim Betrachten von Tötschingers komplett in Eigenregie gestalteten LyLys-Honiggläsern kommt man nicht umhin, eine gewisse Ähnlichkeit im Design zu
Weingut Leo Hillinger (ebenfalls ein Joiser) Weinflaschen zu erkennen. „Leo Hillinger hatte im Bereich Design sicher Vorbildwirkung“, sagt Tötschinger, der sich von Hillingers durchgehenden Weinflaschenetiketten und beim versiegelten Verschluss seiner Honiggläser von seinem bekannten Ortskollegen hat inspirieren lassen. Tötschingers Honig ist auch in Hillingers Weinshops erhältlich.

Um sich von den vielen Honiganbietern – laut Imkerverband gibt es in Österreich rund 25.000 Imker – unterscheidbar zu machen, arbeitete Tötschinger an innovativen Präsentationsmöglichkeiten. Mit seinem Wissen rund um Konstruktionsmöglichkeiten aus dem Werkzeugbau machte er sich daran, eigene Präsentationsdisplays aus Edelstahl zu entwickeln. Diese zieren in einer Variante Verkaufsstandorte wie Greißlereien oder Vinotheken und in einer zweiten Variante Frühstücksbuffets in vorwiegend ostösterreichischen Nobelhotels, wie dem Bristol und Sans Souci in Wien oder dem Reiters Supreme Hotel im burgenländischen Stegersbach.

Honigwabe am Frühstückstisch. Aktuell arbeitet Tötschinger an zwei neuen Edelstahlkonstruktionen, denn die gehobene Hotellerie verlange nach innovativen Konzepten. Ein edles Honigglas sei da oft nicht mehr genug, und auch im hochpreisigen Segment spielten Natur, Nachhaltigkeit und Umweltschutz eine immer größere Rolle. Einer seiner neuen Prototypen soll eine komplette Honigwabe derart präsentieren, dass der Frühstücksgast den Honig samt Wabe abbrechen kann ohne dabei das gesamte Buffet zu verkleben.

»Ich wollte mit meiner Teilnahme an der Mister-Austria-Wahl dem Honig einen jugendlicheren Anstrich verpassen.«

Auch sein zweiter Prototyp geht weg vom Wegwerfhonigglas. Ein Honigspender, ausgestattet mit Hebel und Druckvorrichtung, soll den Schuss Honig salonfähig machen. Noch feilt der Joiser an der Feinabstimmung. „Das Schöne an der Bienenzucht ist, dass diese fast automatisch abläuft und mir somit viel Zeit für die Entwicklung rund um den Honig lässt“, erklärt Tötschinger, der besonders im Winter eher am Computer mit Design- und Konstruktionssoftware als mit seinen Bienenvölkern beschäftigt ist. Im Vorjahr betreute er rund hundert Bienenstöcke, heuer will er auf 150 Bienenvölker anwachsen.

Vize-Mister-Austria. Neben den technischen Finessen, die seinem Honig den notwendigen Mehrwert zukommen lassen und für einen umweltschonenderen Umgang abseits des Wegwerfhonigglases sorgen, beweist der Burgenländer Geschick im Marketing. Der Imker nutzte die Mister-Austria-Wahl 2010, um sich als moderner Imker zu präsentieren. „Das Image rund um die Imkerei ist sehr oft verstaubt, ich wollte durch meine Teilnahme dem Honig einen jugendlicheren Anstrich verpassen“, sagt Tötschinger.

Mit einem Vize-Mister-Austria-Titel, den er unter anderem mit einem Showact über die Entstehung des Honigs gewann, konnte der damals 24-Jährige seinen Honig gut vermarkten. So gut, dass die Supermärkte Billa und Merkur an ihn herantraten und seinen Honig fortan im Burgenland und in Wien im Sortiment führten. Die Vorbildwirkung seines Joiser Nachbarn Leo Hillinger kann Tötschinger also auch in puncto Marketing nicht leugnen.

Honig. Simon Tötschinger schleuderte seinen ersten Honig 2008. Im selben Jahr erreichte er bei der „Goldenen Honigwabe“ eine Bronze- und eine Silberauszeichnung.

Design. Tötschinger designt Honiggläser und -etiketten selbst. Der gelernte Werkzeugmacher entwirft auch Produktdisplays aus Edelstahl für den Handel und für Luxushotels wie das
Hotel Sans Souci Wien und das Hotel Bristol, Vienna.